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CARGO Kult

Auf den Samoainseln haben die Einheimischen nicht begriffen, was es mit den Flugzeugen auf sich hat, die während des Krieges landeten und ihnen alle möglichen herrlichen Dinge brachten. Und jetzt huldigen sie einem Flugzeugkult. Sie legen künstliche Landebahnen an, neben denen sie Feuer entzünden, um die Signallichter nachzuahmen. Und in einer Holzhütte hockt so ein armer Eingeborener mit hölzernen Kopfhörern, aus denen Bambusstäbe ragen, die Antennen vorstellen sollen, und dreht den Kopf hin und her. Auch Radartürme aus Holz haben sie und alles mögliche andere und hoffen, so die Flugzeuge anzulocken, die ihnen die schönen Dinge bringen.

Sie machen alles richtig. Der Form nach einwandfrei. Alles sieht genau so aus wie damals. Aber es haut nicht hin. Nicht ein Flugzeug landet.

Cargo-Kult-Wissenschaft oder englisch Cargo Cult Science ist ein polemischer Ausdruck, der schlechtes wissenschaftliches Arbeiten denunziert. Als Metapher steht er für formal bzw. syntaktisch richtige Abläufe und Prozesse im Wissenschaftsbetrieb und im Umgang mit Technologie, bei denen der Status und Symbolgehalt dieser Vorgänge den tatsächlichen Nutzwert übersteigt. Es werde also versucht, durch die symbolischen Handlungen wirtschaftlichen Erfolg und öffentliche Anerkennung zu erreichen.

Der Ausdruck stammt vom Physiker und Nobelpreisträger Richard Feynman (1918–1988), der einen Begriff aus der Ethnologie, Cargo-Kult, auf gesellschaftliche Abläufe in der Westlichen Welt anwandte. Nach der Nobelpreisverleihung wurden Feynman diverse Ehrendoktorwürden angetragen, lehnte diese aber grundsätzlich ab, weil er nichts von Ehrendoktorwürden hielt. 1954 erhielt er den Albert Einstein Award. Er war Fellow der Royal Society und der National Academy of Sciences, trat aus dieser aber wenig später aus, da er nach Besuch einiger ihrer Sitzungen Zweifel an ihrer wissenschaftlichen Arbeit hatte.

In der Entwicklung und im Einsatz von Geschäftsprozessen und bei der Software-Entwicklung komplexer IT-Projekte wird durch die Bezeichnung als „Cargo-Kult“ das syntaktisch richtige, aber sinnlose Abarbeiten eines Vorgehensmodells oder Prozessmodells ohne tieferes Verständnis des zugrundeliegenden Problems angeprangert.

In der Technikentwicklung von Großbetrieben und der Technologiepolitik von Regierungen unterstellt der Begriff ritualisiertes Festhalten und zur Schau getragene Umtriebigkeit an überlieferten Symbolen oder sinnlos gewordenen Projekten.

Vorgehensweise in vielen grossen Projekten ...